Ernährung ist ein Thema, mit dem wir uns mehrmals täglich auseinandersetzen (müssen). Was kommt auf den Tisch? Wo kaufe ich ein? Bio oder konventionell? Fleisch oder pflanzlich? Diese vielen Fragen, tagein, tagaus, können manchmal ganz schön überfordern. Doch wie ernähren sich eigentlich Yogi*nis? Finden wir’s raus!

Selbst wenn es im Yoga keine dezidierte Ernährungsempfehlung gibt, so lassen sich dennoch drei primäre Leitfäden erkennen. Es hängt natürlich auch davon ab, welchen Stil Du praktizierst und in welcher Schule Du gelernt hast. Trotzdem kannst Du immer für Dich selbst entscheiden, ob Du Dich an einer der drei primären yogischen Ernährungsformen orientieren möchtest – sie könnten Dir zum Beispiel auch als Inspiration für ein neues Gericht dienen.

Die drei Gunas

In der yogischen Philosophie wird Nahrung in drei Bereiche unterteilt. Die Gunas sind Eigenschaften die Menschen, Tieren, aber auch Lebensmitteln zugeschrieben werden. Es gibt drei Gunas: Sattva, Rajas und Tamas.

  1. Sattva steht für Reinheit, Harmonie und Klarheit. Sattva wird als das höchste Guna angesehen und steht in Verbindung zum Göttlichen. Eine andere Bezeichnung für Sattva wäre auch „innere Ruhe“.
  2. Rajas bezeichnet alles Dynamische und versinnbildlicht Energie und Bewegung. Bei zu viel Rajas drohen wir in Rastlosigkeit und Anspannung zu verfallen, auch wenn wir diese Eigenschaft für unsere Kreativität benötigen. Wie in vielen Dingen kommt es hier auf die richtige Balance an.
  3. Tamas umschreibt alles Dunkle und Träge. Es droht, uns zu bremsen, zu verunsichern und Sattva, die Klarheit, zu hemmen.

Obwohl es bei den drei Gunas so klingt, als gäbe es eine eindeutige Hierarchie, sind doch alle drei Eigenschaften in unterschiedlichem Maße in uns allen vorhanden. Dieses Verhältnis kann sich auch über einen längeren Zeitraum verändern und ist nicht festgeschrieben – kann aber durch die Nahrung beeinflusst werden.

In Bezug auf unser Essen wollen wir uns primär sattvisch ernähren. Sattvige, also „reine“ Lebensmittel, sollen den Geist beruhigen und den Verstand schärfen. All diese Nahrungsmittel gelten als rein, vollwertig und enthalten keine Konservierungsstoffe oder anderen Zusätze. Hierzu zählen beispielsweise frische und getrocknete Früchte, Getreide, Nüsse, Kartoffeln, Hülsenfrüchte oder Tofu. Die Ernährung sollte leicht verdaulich sein und das Maximum an Energie liefern, sowie Vitalität, Kraft und Ausdauer steigern.

Rajasische Lebensmittel sind alles, was an- oder aufregt. Hierzu zählen Knoblauch, Kaffee und Tee, sowie stark gewürzte und gesalzene Speisen. Ebenso als rajasig gelten Fertiggerichte, raffinierter Zucker, gesüßte Limonaden und Schokolade.

Tamasische, also träge Substanzen, könnten Gefühle von Schwere und Lethargie hervorrufen. Als tamasig eingestuft sind Fleisch, Fisch, Eier, Drogen, Alkohol sowie zu lange gekochte und abgepackte Lebensmittel.

Schaut man sich die Ernährungsgewohnheiten der meisten Menschen an, so orientiert sich diese kaum an den drei Gunas. Insbesondere der Anteil an rajasischen und tamasischen Lebensmitteln überwiegt in den modernen Essgewohnheiten. Doch auch Menschen, die auf ihre Ernährung achten, finden vermutlich das ein oder andere Produkt auf der tamasischen oder rajasischen Liste.

Wenn Du Dich in Deiner Ernährung an den Gunas orientieren möchtest, heißt das nicht, dass Du von nun an keinen Kaffee mehr trinken darfst oder Knoblauch von Deinem Speiseplan streichen musst. Vielmehr lädt diese Art des Denkens dazu ein, Dir frische und vitale Nahrung zuzubereiten.

Ayurveda

Ayurveda ist ein weiterer Begriff, der häufig mit yogischer Ernährung in einem Atemzug genannt wird. Vielleicht denkst Du dabei zuerst an Gewürztees, aber Ayurveda kann noch viel mehr als das. Übersetzt bedeutet Ayurveda „Wissen über das Leben“, und diese 3500 Jahre alte Lehre hat wie Yoga seine Wurzeln auf dem indischen Subkontinent. Ähnlich wie bei den Gunas wird in der ayurvedischen Ernährungslehre auch zwischen drei Typen unterschieden, den Doshas. Diese sind Vata, Pitta und Kapha. Im Unterschied zu den Gunas gibt es hier aber keine so deutliche Wertung der Typen, und alle Menschen tragen sie in unterschiedlichen Verhältnissen in sich.

Neben verschiedenen Richtlinien, wie zum Beispiel beim Essen nicht zu trinken, wird im Ayurveda erstmal Dein „Typ“ bestimmt – bist Du vielleicht primär Pitta mit ein bisschen Kapha und Vata? Auf Basis dieser Bestimmung werden Lebensmittel ausgewählt, die Deinem Körper guttun, als auch jene, die eher zu meiden sind. Menschen mit viel Pitta beispielsweise, wollen mit der Ernährung ihr Pitta ausgleichen. Es geht in dieser Ernährungslehre vor allem darum, ein Gleichgewicht zu erhalten oder es wieder aufzubauen.

Im Endeffekt sind die Gunas und die Doshas auch nur ein Art Einstufungsmodell und jede*r kann es unterschiedlich interpretieren. Während beide Lehren viele Jahrtausende alt sind, so kann es in der heutigen Welt vielleicht etwas befremdlich sein, sich an ihre Leitlinien zu halten.

Im Kontrast dazu steht eine zeitgemäße Ernährungsweise, die immer populärer wird: der Veganismus. Das hat allerdings nichts mit dem steigenden Trend zu tun, sondern bezieht sich vielmehr auf das Prinzip von Ahimsa.

Gewaltlose Ernährung

Ahimsa ist das erste Prinzip der Yamas. Die Yamas bilden zusammen mit den Niyamas die ersten beiden Stufen des achtgliedrigen Pfades im Yoga und umschreiben eine Art Verhaltenskodex oder Moral. Die fünf Yamas dienen als Leitsatz, wie wir als Yogi*nis mit unserer Umwelt umgehen sollten. Ahimsa steht in diesem Zusammenhang für Gewaltlosigkeit oder nicht-gewaltvolles Verhalten.

Leiten wir dieses Prinzip auf unsere Ernährung ab, ergibt sich daraus eine vegane Kost. Denn bei dem Verzehr von tierischen Produkten verursachen wir – wenn auch vermeintlich indirekt – Leid gegenüber Tieren. Zudem überlappen hier einige Eigenschaften der sattvischen Ernährung, obwohl dazu noch Honig und Milchprodukte zählen würden.

Natürlich ist eine vegetarische Ernährung bereits ein Schritt in Richtung gewaltloses Essen. Sobald Du Dich jedoch mehr mit der aktuellen Agrarpolitik auseinandersetzt, wirst Du schon bald merken, dass insbesondere die Herstellung von Milchprodukten mit sehr viel Leid verbunden ist. Denn damit eine Kuh Milch produziert, muss sie erst ein Kalb gebären. Anschließend müssen Mutter und Kalb getrennt werden – ein sehr schmerzhafter Prozess für beide – damit die Milch für den menschlichen Verzehr aufbereitet werden kann. Von den Haltungsbedingungen der Tierfabriken ganz abgesehen klingt das nicht besonders yogisch, oder?

Was hat meine Ernährung mit Yoga zu tun?

Essen nährt Körper und Seele und ist viel mehr als nur Nahrung für unsere Zellen – hier sind sich alle drei Leitbilder einig. Manche Menschen bevorzugen es, sich von Systemen wie dem Ayurveda oder den Gunas leiten zu lassen. Es wäre genauso falsch, etwas davon zu verteufeln, gleichzeitig muss aber auch nicht alles für alle funktionieren. Trotzdem ist unser Essverhalten indirekt mit unserer Yogapraxis verbunden, denn Yoga ist eine Philosophie, die gleichzeitig abseits der Matte gelebt wird. In den Gunas würden wir zum Beispiel durch Nahrung mehr innere Ruhe finden, Ayurveda führt uns zu einem inneren Gleichgewicht, und eine vegane Ernährung nährt unsere Seele gewaltfrei. Kochen ist zudem ein Beispiel für einen Akt der Selbstliebe, denn Du nimmst Dir Zeit, etwas Gutes für Dich zu tun, und ist gleichzeitig eine Achtsamkeitspraxis.

Was auch immer Dich in Deinem Essverhalten leitet, nimm‘ Dir einen Moment, um dankbar für Dein Essen zu sein. Es ist keineswegs selbstverständlich, mehrmals täglich etwas zu essen zu haben. So implementieren wir gleich mehr Dankbarkeit in unseren Alltag und machen uns bewusst, wie viele schöne Dinge bereits Teil unseres Lebens sind. Und, besonders wichtig: Lass‘ es Dir schmecken! Denn was wäre Ernährung ohne Genuss? Genau, wie Yoga ohne den Geist.

Schreib‘ uns in die Kommentare, was Dich in Deiner Ernährung leitet! Hast Du schon vorher von den Gunas oder von Ayurveda gehört? Und vergiss‘ nicht, diesen Artikel mit jemanden zu teilen, der sich auch für yogische Ernährung interessiert.

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